Sammlung
Jagdschloß Kranichstein war über vierhundert Jahre Anziehungspunkt der Landgrafen und Großherzöge von Hessen-Darmstadt. Dreizehn Schauräume in der herrschaftlichen Belétage des Jagdschlosses lassen das höfische Leben in der Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert wieder aufleben.
Eine Reihe fürstlicher Salons ist im Stil des 18. Jahrhunderts eingerichtet, als das Schloß Zentrum prunkvoller höfischer Jagden war. Die kulturgeschichtliche Sammlung aus dieser Epoche umfasst eine Vielzahl von Jagdgemälden Darmstädter Maler, wertvolle Tapisserien sowie Möbel im Stil des Barock und Rokoko.
Von der Jagdleidenschaft der Landgrafen kündet die Galerie imposanter Hirschtrophäen sowie eine beeindruckende Waffensammlung. Prachtvoll ornamentierte Radschloßgewehre mit Perlmutt- und Elfenbeineinlagen zeugen von der hohen Handwerkskunst der Büchsenmacher jener Zeit. Damastläufe, kunstvolle Schaftverschneidungen und Gravuren finden sich an den zahlreichen Steinschloßgewehren sowie Perkussionswaffen. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die Windbüchsensammlung aus der Zeit von Landgraf Ludwig VIII. Kostbare Armbrusten sowie reich dekorierte Blankwaffen ergänzen die Waffensammlung.
Eine Kabinettausstellung zeigt wichtige Accessoires bei der Jagd: Pulver- und Zündkrautflaschen, Weidbesteck sowie Jagdtaschen zeigen mit ihrer Vielfalt an Formen und Materialien höchste Kunstfertigkeit.
Die Sammlung von Jagdmedaillen enthält numismatische Kostbarkeiten ersten Ranges. Ludwig VIII hat 150 Medaillen zu verschiedensten Anlässen prägen lassen, um damit die eigene Person oder wichtige Ereignisse, vor allem jagdlichen Charakters, zu verherrlichen.
In einem „Rundgang zur Geschichte der Jagd von der Vor- und Frühzeit bis heute“ wird die Bedeutung der Jagd in der Kulturgeschichte der Menschheit anhand von Bild- und Texttafeln anschaulich erläutert. Nomadisierende Jäger und Sammler der Frühzeit konnten nur durch die Jagd überleben. Germanische Sippen sicherte das Jagen die Existenzgrundlage. Im Mittelalter entstanden die Jagdprivilegien des Hochadels mit den Bannforsten. Gegen vielfältige Jagdfrondienste und Wildschäden begehrte die hessische Landbevölkerung im Bauernkrieg von 1525/26 und in der Revolution von 1848/49 auf. Das Recht auf Ausübung der Jagd auf eigenem Grund und Boden gehört zu den bleibenden Ereignissen der Revolution von 1848. Die heutige Naturnutzung durch ökologische Waldwirtschaft und weidgerechte Bejagung ist an den Grundsätzen der Nachhaltigkeit orientiert. Künstlerische Darstellungen der Jagd illustrieren die chronologisch aufgebaute Sammlung.








